Plauener spitze Muster

Die ersten Nadelspitzen (Reticella) wurden im 15. Jahrhundert in Norditalien gefertigt und erlangten im Verlauf des 16. Jahrhundert weite Verbreitung. Im 17. Jahrhundert entwickelte sich daraus die Nadelspitzen-Technik, die zunächst in Venedig und Mailand gepflegt wurde. Spitzen wurden an Ärmelmanschetten angesetzt und dienten als Kragen für Männer und Frauen. Der aufwendigen Herstellung wegen waren Nadelspitzen so extrem teuer, dass nur die reichsten sie sich leisten konnten. Ihre Beliebtheit beim französischen Adel sorgte für einen beträchtlichen Kapitaltransfer nach Italien, dem Ludwig XIV. dadurch gegensteuerte, dass er die Spitzenherstellung in Frankreich förderte. Um 1700/1710 löste die (billigere, weil schnellere) Klöppeltechnik die Nadelspitze ab.

Waren die Spitzen anfangs noch dicht gemustert, setze sich im Verlauf des Jahrhunderts der Tüllgrund mit eingearbeitetem oder appliziertem Muster immer mehr durch. Tüllgrundspitzen waren noch einmal schneller und billiger herzustellen als dicht gemusterte, so dass gegen Ende des 18. Jahrhundert sich auch wohlhabende Bürger Spitze zum Sonntagsstaat leisten konnten. Anfang bis Mitte des 19. Jahrhunderts entstand die Häkeltechnik, die in Irland von Heimarbeiterinnen zu höchster Vollendung entwickelt wurde. Occhispitze, die etwa zur gleichen Zeit entstand, spielte nur als häusliche Freizeitbeschäftigung eine Rolle. Ab Anfang des 20. Jahrhunderts konnte man Klöppelspitze und Lochspitze auch maschinell fertigen, so dass die traditionellen Spitzentechniken mit Mühe am Leben erhalten werden mußten. Heute werden Klöppelspitzen nur noch maschinell gefertigt (und auch das kaum noch) oder aber als kleine Kunstwerke. Als Spitze erwirbt man nurmehr maschinelle Lochspitze, maschinengestickte Tüllspitze oder die grobe “Schrankspitze”.

Aus unserer Einrichtung und gerade bei Gardinen ist Plauener Spitze als Design nicht mehr wegzudenken. Diehochwertigen Stickereien haben ihre Wurzeln in einer Jahrhunderte alten Tradition der Herstellung von Textilien in und um Plauen. Der Ort im Vogtland war bereits im 15. und 16. Jahrhundert Zentrum und Hochburg des Tuchmacherhandwerks. Zur Zeit sind über 60 Unternehmen in Plauen in dieser Branche tätig und die Ätzspitze oder auch Luftspitze hat unter dem Namen “Plauener Spitze” bereits Mode und Design-Begeisterte auf der ganzen Welt erobert. Der Trend umfasst dabei Mode und Raumtextilien, wie Tischdecken und Gardinen. Plauener Spitze-Designs aber auch schwere Gardinen aus Samt oder moderne Schiebegardinen sorgen für ein ansprechendes Fensterbild. Ein maschinell gefertigter Tüllgrund wird stickereiähnlich mit Fäden durchzogen. Da diese Technik leicht maschinell nachgeahmt werden kann, ist Tüllspitze noch heute im Kurzwarenhandel zu finden. Auf einen schwarzen Karton wird das Muster gezeichnet und dann entlang der Zeichnung Fäden gespannt, die die Grundlage der Spitze bilden.

Dieses Grundgitter wird dann zumeist in Knopflochstich umstickt, weitere Verbindungsfäden gezogen und z.T. die Flächen dazwischen ausgefüllt. Manchmal werden auf Teile des Gitters zusätzlich dickere Fäden gelegt und umstickt, um eine reliefierte Oberfläche zu erreichen. Zum Schluss wird der Karton entfernt. Nadelspitzen sind die vom Arbeitsaufwand her anspruchsvollsten Spitzen, deren Herstellung gute Augen, viel Licht und eine ruhige Hand erfordert. Sie wurden ausschließlich aus cremefarbenem oder weißem Leinengarn gefertigt. Gegen Ende des 19. Jh. geriet die Technik in Vergessenheit. Bekannte Nadelspitzen sind z.B. Point de Venise, Point d`Alenon, Point de neige oder Point rose.

Plauener Spitzen, die mit Begeisterung und Bewunderung als die kostbarsten, filigransten, ausdrucksfähigsten und technologisch höchst entwickelten Kunstwerke vogtländischer Textilproduzenten gewürdigt erden, haben seit über 100 Jahren ganz entscheidend die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung der vogtländischen Region mit ihrer Metropole Plauen geprägt. Bereits 1881 wurde in Plauen, im Zentrum der deutschen Spitzen- und Stickereiindustrie, die maschinengestickte Tüllspitze erfunden.